Paid content vs. paid contact - über die Monetarisierungstrategien von Verlagen im Netz

11. January 2009 von marc
Inspirationsgesellschaft, Konsum 

Verlage haben es schwer: Ihre Inhalte sind überall, aber nur wenn sie auf Papier erscheinen, ist noch jemand bereit dafür zu bezahlen. Kein Wunder also, dass die Paid-Content-Debatte immer wieder neu geführt wird. Wie kann man jemand dazu bringen, für etwas zu bezahlen, das er über Jahre gratis bekommen hat? Kann man es ihm einfach wegnehmen und dann neu arrangiert verkaufen? Kann man es einfach aufwerten und sagen, das ist jetzt mehr Wert, und musst du mir das jetzt bezahlen? Schwierig, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Die Rezeption entscheidet. Was umsonst war, soll umsonst bleiben. Selbst wenn die Inhalte schlechter würden, weil die guten Artikel zu Premium-Contet umetikettiert werden, die meisten werden nicht bezahlen, sondern im Netz weiter nur lesen, was es umsonst gibt.

Verlage sind also auf der Suche nach alternativen Stratgien zur Monetarisierung ihrer Inhalte und Kompetenzen. Schaut man sich an, was Medienhäuser in den letzten Jahren offline gemacht haben, entdeckt man einen interessanten und viel versprechenden Suchpfad. Die Buch-, DVD- und CD-Reihen von Süddeutsche, SPIEGEL, Brigitte und allen anderen nutzen die Inhaltskompetenz der jeweiligen Medienmarken übertragen Sie auf auf ein neues Angebot. Und verdienen damit Geld. Soweit so gut.

Natürlich vertraue ich der Titel-Auswahl des SZ-Feuilletons, wenn ich auch vorher gerne die Rezessionen und Empfehlungen gelesen habe. Der Kauf ist dann nur noch ein Klick oder den Gang in den Buchhandel entfernt. Die Inspiration funktioniert. Die wichtige Frage der Trennung von Redaktion und Vermarktung wurde in diesem Zusammenhang übrigens sehr leise und nur intern diskutiert.

Aber wie ist es mit Angeboten außerhalb der geistigen Nahrung? Jede Woche, jeden Monat erscheinen tausende Seiten gefüllt mit tollen Handtaschen, fantastischen Schuhen, intelligenten Haushaltshelfern oder dekorativem Kleinstmöbeln. Seitenweise Informationen, wie das eigene Leben, der eigene Kleiderschrank oder das Wohnzimmer verschönert werden können. Jede Menge Einkaufstipp. Diese Inspirationen werden die Verlage in Zukunft noch stärker monetarisieren (müssen), in dem sie an den von ihrem Content inspirierten Transaktionen partizipieren.

Die Montarisierung der  Inspirationskompetenz wird für viele Verlage mehr bringen, als der erneute Versuch Paid Content durchzusetzen. Paid Contact wird zur Regel, Inspiration zur Killer-Application: denn im Netz kann ich jeden Produkthinweis direkt mit einem Warenkorb verbinden. Warum sollten sich Verlage die Umsatz-Chance entgehen lassen, die letztendlich darin liegt, aus jeder Frauenzeitschrift einen Bestell-Katalog zu machen? Händler und Medien werden einander dadurch immer ähnlicher. Irgendwann gibt es dann nur noch zweiten Kategorien: Zum einem Medien, deren Content Produkte sind (die ehemals klassischen Versandhändler) und Medien, deren Produkte Content sind (die ehemals klassischen Verlagshäuser). Interessant werden die Abgrenzungs- und Positionierungskämpfe zwischen diesen beiden. Wir werden das beobachten.

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Kommentare

3 Kommentare zu “Paid content vs. paid contact - über die Monetarisierungstrategien von Verlagen im Netz”

  1. Oliver Springer am 23. January 2009 18:52

    Wer schreibt dann noch über Bücher, die den Kauf nicht lohnen, Kinofilme, die man lieber versäumt und Haushaltsgeräte, die gefährlich sind?

    Kurz: Das ist kein Journalismus mehr, dann kann man die PR-Texte der Firmen auch direkt übernehmen.

    Durch den Verkaufspreis eines Mediums wird die Unabhängigkeit der Berichterstattung gesichert. Schon die bisher viel zu hohe Abhängigkeit der (nicht allein Print-)Medien von der Werbung führt zu ernsthaften Interessenkonflikten.

    Die Leser wären besser dran, würde der Anteil der Werbefinanzierung sinken und der Verkaufspreis steigen.

    Ich bin an dem Punkt zwar nicht übermäßig optimistisch, doch vielleicht bezahlen die Leser ja dann für Premium-Content, wenn es die hochwertigen Inhalte nicht mehr kostenlos im Netz gibt - und sei es, weil die Zeitungen aufhören zu existieren.

    Vielleicht kommen dann (ggf. neue) Medienunternehmen und bieten, was sonst nicht mehr zu bekommen ist, gegen Bezahlung an.

    Kostenlos sind die vielen Inhalte ja nur deshalb im Netz präsent, weil die Zeitungen über die Einnahmen aus dem Printbereich deren Erstellung (noch) finanzieren können. Irgendwann kommt der Punkt, an dem diese Finanzierung nicht mehr funktioniert und dann verschwindet die Onlineausgabe der Zeitung zusammen mit der gedruckten Ausgabe.

    Seriösen Journalismus über Werbeeinnahmen zu finanzieren, ist angesichts der schlechten TKPs im Onlinebereich schwer möglich. Die Schleuderpreise bei der Onlinewerbung liegen zwar einer ganz anderen Fehlentwicklung zugrunde, doch hier anzusetzen, könnte nicht allein den Journalismus retten, sondern nicht zuletzt Bloggen zu einem einträglichen Geschäft werden lassen.

  2. marc am 24. January 2009 15:17

    Klasse. Da sind wir ja mitten drin in einer sehr, sehr notwendigen Diskussion. Online liegen (werbliche) Kommunikation und Transaktion extrem dicht beieinander. Davon werden Verlage profitieren wollen. Dieser Zusammenhang hat Auswirkungen auf alle drei: Journalismus, Werbung und Handel. Und warum sollen Verlage in Zukunft unabhängigen Qualitätsjournalismus nicht finanzieren durch die Erlöse, aus dem von Ihrem Content inspirierten Transaktionen?

    Die Inspirationskraft eines jeden Mediums hängt auch davon ab, wie neutral es wahrgenommen wird. Jede negative Produktbewertung stärkt die Glaubwürdigkeit der Positiv-Empfehlung. Über nicht funktionierende Haushaltsgeräte wird also auch in Zukunft geschrieben werden.

  3. WamS fordert “Zur Kasse, Leser”. Und übersieht: “Leser sind Käufer” : Neues aus der Inspirationsgesellschaft am 2. March 2009 00:00

    [...] arbeiten schon seit Jahren an einer ganz anderen Strategie zur Monetarisierung von Content. Sie folgen der Erkenntnis, dass Leser Käufer sind und verdienen an den von ihrem Content ausgelöst… In der Inspirationsgesellschaft ist, wird das sicher ein funktionierendes [...]

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