Inspiration von der DLD 09
Die digitalen Elite in München – fasziniert von Obama, frustriert von der Krise, connected über Twitter
Drei Tage in München, ein paar Tage vor Davos. Die DLD-Conference, Burdas Top-Event verfolgt die aktuellen digitalen Entwicklungen weltweit und setzte auf große Namen und große Themen.
Die Grundstimmung war heterogen, irgendwo zwischen einem recht altmodisch wirkenden Blog-Enthusiasmus, der ständige Suche nach Monetariserungsmöglichkeiten und der Hoffnung von VCs und anderen im digitalem Winterschlaf die Krise zu überleben. Alle haben getwittert, alle waren erleichtert, dass Obama da ist und alle sind sicher, dass die Krise bleibt.
Jetzt und in den nächsten Tagen gibt es hier die Highlights aus der Sicht der Inspirationsgesellschaft:
Inspiration mit Leib und Seele: Julia Allison stellt Nonsociety vor. Ein Blog aus New York, eine Art multimediales Sex and the City von drei Freundinnen. Live gebloggt wird das eigene Leben zum einzigen Lebensinhalt. Wir vermuten das war bei den dreien auch vor Start des Blogs schon so. Insofern ist alles sehr authentisch.
Das Motto lautet WE HOPE WE INSPIRE YOU TO LIVE DIFFERENTLY. Und das wöchentliche Video-Magazin heißt TMI, too much information. Auch hier zeigt sich: Information ist überall, Inspiration ist alles.
Das Konzept von Julia, Meghan und Mary. funktioniert. Man scrollt quer durch ihr Leben, dessen Ereignisse mit Fotos, Texten und links dokumentiert werden. Alles echt, alles erlebt. Diese Livecast genannten Einblicke faszinieren 800.000 uniques und machen die drei zu Stars.
Auf dem Panel in München ist Julia sichtlich stolz und plaudert lustig drauf los. Monetarisierung? Kein Problem! Ihre Inspirationskraft reicht aus, um Sponsoren anzulocken. Und wenn die drei über Produkte reden, so erzählt sie ganz entspannt, dann ist das auch nicht umsonst. Product Placement im eigenen, mediaisiertem Leben, mit Shopping Geld fürs Shopping verdienen. Julia, Meghan und Mary zeigen wie es geht: soziales Kapital (Reputation as Property in Virtual Economies ) aufbauen, um es dann zu monetarisieren - in der Inspirationsgesellschaft ein Revenue-Stream mit Zukunft.












Sinnstiftung durch gegenseitige Inspiration. Marino Degano zeichnet nach, wie die vier Evangelien entstanden.
Wovon Julia wahrscheinlich nicht ganz so viel erzählt hat, ist der Preis dieses konstanten Egobrandings. Denn wer glaubt, Menschen würden Mike Arrington hassen, der brauch nur mal im Web nach “Julia Allison” suchen oder auch einfach nur in die Kommentare des Interviews bei LesMads zu schauen (http://www.lesmads.de/2009/01/julia_alison_im_interview_beim_dld09.html). Es scheint manchmal so, dass man für den Erfolg als Egobrand im Web, so edgy sein muss, dass sich die Geister an einem scheiden, was letztendlich die Aufmerksamkeit sichert.
Oder andersrum: Sobald man im Netz zum Pseudo-A-Promi aufgestiegen ist (also: “Im Netz bekannt” (was auch sehr relativ sein kann, weil das Netz doch recht groß ist
), in der Fußgängerzone: nicht) hat man soviel Aufmerksamkeit, dass man notwendigerweise auch anderen zur Abarbeitung ihres Frusts dient. oder als Objekt des Neids der anderen Pseudo-A’s.
Dass das resultierende Gezoffe natürlich als Feedback wieder aufmerksamkeit erzeugt ist dann der Autopoisesis der Medien-/Netzkommunikation geschuldet.
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