Paid content vs. paid contact - über die Monetarisierungstrategien von Verlagen im Netz

Verlage haben es schwer: Ihre Inhalte sind überall, aber nur wenn sie auf Papier erscheinen, ist noch jemand bereit dafür zu bezahlen. Kein Wunder also, dass die Paid-Content-Debatte immer wieder neu geführt wird. Wie kann man jemand dazu bringen, für etwas zu bezahlen, das er über Jahre gratis bekommen hat? Kann man es ihm einfach wegnehmen und dann neu arrangiert verkaufen? Kann man es einfach aufwerten und sagen, das ist jetzt mehr Wert, und musst du mir das jetzt bezahlen? Schwierig, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Die Rezeption entscheidet. Was umsonst war, soll umsonst bleiben. Selbst wenn die Inhalte schlechter würden, weil die guten Artikel zu Premium-Contet umetikettiert werden, die meisten werden nicht bezahlen, sondern im Netz weiter nur lesen, was es umsonst gibt.

Verlage sind also auf der Suche nach alternativen Stratgien zur Monetarisierung ihrer Inhalte und Kompetenzen. Schaut man sich an, was Medienhäuser in den letzten Jahren offline gemacht haben, entdeckt man einen interessanten und viel versprechenden Suchpfad. Die Buch-, DVD- und CD-Reihen von Süddeutsche, SPIEGEL, Brigitte und allen anderen nutzen die Inhaltskompetenz der jeweiligen Medienmarken übertragen Sie auf auf ein neues Angebot. Und verdienen damit Geld. Soweit so gut.
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Die IG-Metall entdeckt die Inspirationsgesellschaft…

… nennt es aber nicht so. Die klassisch linksherum formulierte Headline (Print-Ausgabe) im taz-Beitrag von IG.Metall Vorstand Ulrich Klotz verspricht viel: Die Entmündigten lernen, kreativ zu sein.

Klotz schreibt über die Veränderungen dessen, “was wir Arbeit nennen”  durch die kooperativen Formen, die das Internet ermöglicht.

Durch das “Web2.0″ kommt nun eine neue Dynamik in diese Entwicklung. Mit Hilfe von “social Software” kann jeder User sein Wissen mit anderen teilen. Mitmach-Plattformen wie “MySpace” (250 Millionen Mitglieder) “Facebook”, “YouTube”, “StudiVZ” oder “Flickr” ziehen mitunter binnen weniger Tage mehr neue Mitglieder an als viele Parteien oder Gewerkschaften überhaupt haben. Die zuvor nur passiv genutzten Formen des World-Wide-Web waren lediglich Umformungen altbekannter Massenmedien wie Buch und Rundfunk plus Briefverkehr und Telefon via Computer.

Richtig erkannt und richtig beschrieben. Und Leser mit Gefühl für die historischen Dimensionen freuen sich über den impliziten Bezug auf Bertolt Brechts Radiotheorie:

Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen.

Klotz erläutert am Beispiel der Software-Entwicklung kooperative Arbeitsmöglichkeiten, in denen er das Ende von Taylorismus und Arbeitsteilung sieht. Auch die hierarchische Organisation von Arbeit werde überwunden.

Bürokratische Hierarchien, die auf Angst und Einschüchterung basieren, rufen heute bei den “Net-Kids” nur noch Kopfschütteln hervor. Ob sich jemand “YX-Leiter” nennt oder ein größeres Büro hat, interessiert im Internet niemanden. Dort zählt nur die Qualität der Ideen und die tatsächliche Leistung — und das ist auch gut so.

Open-Source-ähnliche Arbeitsformen werden sich ausbreiten, weil sie vor allem im Hinblick auf Kreativität und Innovationen der industriellen Planstellenorganisation haushoch überlegen sind. 

Kreativität als Motor der gesellschaftlichen Veränderungen und Innovationen, die im vernetzten Miteinander entstehen, so sieht für Ulrich Klotz die Zukunft der Arbeit aus. Er beschreibt die Inspirationsgesellschaft, ohne sie so zu nennen, als eine Gesellschaft, in der immer mehr in den globalen Weinbergen der Informationen arbeiten, um wertvolle Inspirationen zu keltern.

Ob das Web 2.0 die Menschen tatsächlich von hierarchischen Arbeitsstrukturen befreit und demotivierende Jobs dadurch verschwinden, dass man zuhause statt im Büro arbeitet, ist dabei noch offen, zumindest aber eine motivierende These. Beruhigend, dass auch die IG Metall am Anfang der Zukunft angekommen ist.

Buch sucht Autor (2): Ein neues Netz für die vernetzte Gesellschaft

8. January 2009
Buch sucht Autor
1 Kommentar 

In dieser kleinen Reihe stellt “Neues aus der Inspirationsgesellschaft” in unregelmäßigen Abständen Bücher vor, die dringend geschrieben werden müssen. Wer eines davon schreiben will oder das Thema kommentieren möchte, kann sich einfach melden.

Titel: Ein neues Netz für die vernetze Gesellschaft

Thema: Wie soziale Sicherheitssysteme in Zukunft funktionieren müssen, damit sie noch funktionieren können.

Autor: Du?

Buch sucht Autor (1): Vollmond für Vollidioten

7. January 2009
Buch sucht Autor
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In dieser kleinen Reihe stellt “Neues aus der Inspirationsgesellschaft” in unregelmäßigen Abständen Bücher vor, die dringend geschrieben werden müssen. Wer eines davon schreiben will oder das Thema kommentieren möchte, soll sich einfach melden.

Titel: Vollmond für Vollidioten

Thema: Die längst überfällige Abrechnung mit der esoterischen Gegenrevolution.

Autor: Du?

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