Unter Freunden - das Private, das Öffentliche und das Juristische
Alle reden miteinander und dabei vor allem übereinander. Soziale Netzwerke sind Vetriebsplattformen für kleine (Twitter) und große (Blogs) Aufmerksamkeiten unter Freuden. Und Freundschaft lebt von unausgesprochenen, gerade deswegen besonders wichtigen Regeln. Aktuell definieren sich diese Regeln im freien Diskurs. Wir können live beobachten, wie sich in der Inspirationsgesellschaft die Grenzen etablieren, die das sozial Erwünschte von sozial Unerwünschten trennen.
Da gibt es den dezenten Hinweis auf dem Facebook-Profil, man solle gefälligst keine Eigenwerbung betreiben.

Oder auf meedia erscheint ein von Stefan Winterbauer zusammengestellter Katalog zum Thema: Wie twittere ich korrekt?
Zehn Dinge, die an Twitter nerven
Das soziale Miteinander im Sozialen Netzwerk muss geordnet werden. Benimmregeln werden ausgehandelt. Etikette bilden sich heraus. Was tut man, was tut man nicht. Wem hört man zu, und wem lieber nicht. Wem folgt und von wem fühlt man sich verfolgt. Die Notwendigkeit der Distinktion steigt mit den Mitgliederzahlen. Wo viele sind, sind auch viele, die da irgendwie nicht sein sollten. Freunde, mit denen man weder reden, noch ihnen zuhören möchte.
Ein Blog gewordener Aufschrei sich bedrängt fühlender Facebook-User macht das besonders deutlich. (Vielen Dank an Nico Lumma, der mich auf diese Seite aufmerksam gemacht hat - mit einem süfisanten Lächeln, dass nur solange hält, bis auch seine Kinder lesen können.):
CONGRATULATIONS! YOUR PARENTS JUST JOINED FACEBOOK. YOUR LIFE IS OFFICIALLY OVER.So, you finally caved. You’ve accepted a friend request from your Mom, Dad, crazy Aunt Ida, and your college roommate’s newly divorced mother. Well here’s your chance to get back at them for taking away your public privacy.
Email us at: myparentsjoinedfacebook@gmail.com because we want to laugh at your Mom’s ridiculous Facebook status and the embarrassing message your Dad wrote on your wall too! If you want your relative to remain anonymous include that in the email.
Family. Can’t Facebook with ‘em, can’t unFriend ‘em!
Auch die Diskussion “Wem gehören meine Daten auf Facebook - Marc Schwieger oder Mark Zuckerberg? passt in diesen Zusammenhang. Die juristischen Regeln setzten fest, was die User untereinander nicht regeln können. Die Nutzung von privaten Inhalten online geführter Gespräche in einem womöglichen kommerziellem Zusammenhang außerhalb meiner virtuellen Privatsphäre widerspricht unserem intuitiven Gefühl für das Private und das Öffentliche.
Aus diesem Anspruch heraus gelingt es den Usern sogar, Mark Zuckerberg zu einem aus seiner Sicht recht weit gehenden Versprechen zu bewegen:
Wir würden Eure Informationen nie auf eine Art weiter geben, die Ihr nicht wollt.
Zuckerberg spricht von „Euren Informationen.“ Und verrät damit vielleicht mehr als ihm lieb ist. Intuitiv weiß auch er, wem die Daten wirklich gehören.
Wie sieht es nun mit offen kommunizierten, kommerziellen Angeboten in Sozialen Netzwerken aus? Jede Social Commerce Plattform funktioniert im Kern nach dem selben Prinzip: Was meine Freunde kaufen, das könnte ich vielleicht auch haben wollen. So werden Freunde zu Verkäufern und Freundschaft zur Geschäftsbeziehung. Hier wird sich noch zeigen müssen, ob beim Geld die Freundschaft aufhört oder eine neue beginnt.
Vor ein paar Wochen haben wir einen Autoren gesucht für das Buch: Viele Freunde, wenig Freundschaft. Thema dieses ungeschriebenen Werkes: Über das Private im Zeitalter seiner digitalen Reproduzierbarkeit. Wie sehr verändern die sozialen Medien unser Gefühl für das Private und das Öffentliche? Und wenn ja, wäre das schlimm?
Es wird Zeit, dass sich Autoren finden.












Sinnstiftung durch gegenseitige Inspiration. Marino Degano zeichnet nach, wie die vier Evangelien entstanden.
Da halte ich es mit einem echten Schlaumaier-Kollegen aus HH:
I want my terms of privacy back!
Wir alle sind Teil der Diskussion, in der gerade das Private und das Öffentliche neu bestimmt wird. Oder besser: in der versucht wir, die gewohnten Grenzen zwischen beidem vom analogen ins digitale zu übertragen. Ich finde das extrem spannend. Mal gucken, was der SPIEGEL dazu morgen schreibt.
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