WamS fordert “Zur Kasse, Leser”. Und übersieht: “Leser sind Käufer”
In der Welt am Sonntag schreibt Kai-Hinrich Renner über die Paid-Content-Debatte. Und übersieht dabei etwas ganz Entscheidendes.
Die Sache schien sich erledigt zu haben. Kaum jemand will für journalistische Inhalte im Internet bezahlen. Fast alle Modelle, die Gebühren auf Online-Artikel erhoben, scheiterten. Paid Content war tot.
Doch während sich in der Musikszene schon länger gilt: “Kinder, der Tot ist gar nicht so schlimm” keimt im Printbereich wieder Hoffnung. Fünf unterschiedliche Strategien führt die Welt am Sonntag auf. Wobei Strategie Nummer vier (Content-Gebühr über Lesegeräte) nur eine taktische Variante von Strategie Nummer drei (Kulturflatrate, eine Art Gema für journalistischen Content) ist. Macht nichts, fünf Strategien klingt einfach besser. Wer so viele strategische Optionen hat, der hat den Kampf ja quasi schon gewonnen, oder?
Es beginnt mit dem Wunsch, das Abonnement ließe sich doch vom Print ins Digitale hinüber retten. Dann folgt die Hoffnung, ausgerechnet in der durch Milliarden-Spekulationen ausgelösten Krise ließe sich Micro-Payment durchsetzen (interesante Dialektik), Anschließend erwärmt sich der Autor an der einer Zwangsabgabe für journalistischen Content – eine Mischung aus Abgabe pro Geräte und Kabelgebühr. Die Aufzählung endet schließlich mit einem – nun das Wort fällt nicht, aber genau das ist gemeint – Spendenaufruf:
Bis sich solche Geräte (gemeint ist u.a. Amazons Buchlesegerät Kindle) durchgesetzt haben, könnten freiwillige Gebühren Entlastung bringen.
Doch selbst der Autor ist von seinen Versuchen, sich und der Branche Mut zu machen, nicht überzeugt. (Und hat das an anderer Stelle schon viel deutlicher gesagt!) Er zweifelt sogar am stärksten Argument, das seine Kollegen sonst gerne vorbringen – dem Qualitätsjournalismuns.
Die Frage ist nur, ob jemand zu freiwilligen Zahlungen bereit ist. Nimmt man die Kommentare zu Meyer-Luchts Stück zum Maßstab, ist das in Deutschland wohl eher nicht der Fall: “Bezahlen? Wofür?”, schreibt etwa ein gewisser “huebi”: “Dass einer beim anderen via Copy & Paste abschreibt?”
Viereinhalb Wege also, den Leser zur Kasse zu bitten. Und keiner davon überzeugt. Einen Aspekt der ganzen Diskussion übersieht der Autor aber – absichtlich? Alle Verlage, auch der, für den er schreibt, arbeiten schon seit Jahren an einer ganz anderen Strategie zur Monetarisierung von Content. Sie folgen der Erkenntnis, dass Leser Käufer sind und verdienen an den von ihrem Content ausgelösten Transaktionen. In der Inspirationsgesellschaft ist, wird das sicher ein funktionierendes Geschäftsmodell.
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Übrigens: ich habe den Artikel in der Print-Ausgabe gelesen, die ich zuvor beim Brötchen holen gekauft und beim Sonntagsfrühstück durchgeblättert habe. Die Rezeption entscheidet und Rituale ändern sich langsam. Ein kleiner Trost ist das doch allemal.











Sinnstiftung durch gegenseitige Inspiration. Marino Degano zeichnet nach, wie die vier Evangelien entstanden.