Und es geht doch! Die Monetarisierung sozialer Prinzipien.
Twitter ist toll, aber verdient kein Geld. Facebook ist noch toller, verdient aber auch kein Geld. Soziale Netzwerke sind das Thema der letzten Wochen und Monate. Und gerade in den etablierten Medien wird jeder Bericht über Twitter und Co. mit dem schadenfrohen Hinweis verbunden, funktionierende Geschäftsmodelle seien nicht in Sicht.
Das mag stimmen. Und dennoch: in einer Zeit, in der die Geschäftsmodelle der Automobilindustrie, der Druckereien und der klassischen Printverleger auch nicht gerade vor Kraft strotzen, lohnt es sich, den Blick vom jeweiligen Unternehmen ab- und dem zugrunde liegenden Prinzip zuzuwenden. Denn nicht die Kapitalisierung einzelner Networks wird die Entwicklung der nächsten Zeit dominieren, sondern die Monetarisierung ihres Prinzips.
In sozialen Netzwerken werden Verhaltensweisen eingeübt, die die Kommunikation strukturell verändern: Zwischen den Menschen und zwischen Menschen und Unternehmen, die sich wie Menschen verhalten müssen (ganz aktuell: StudiVZs Edelprofile für 3.000 € im Monat).
Die Faszination einer immer währenden Vernetzung mit meinen Freunden, das Interesse an den Erlebnissen all derer, denen ich virtuell folge und die wirtschaftlichen Effekte, die entstehen, wenn ich Empfehlungen aus meinem social graph befolge – das sind die Eckpunkte, an denen sich die ökonomische Entwicklung orientieren wird.
Die Monetarisierung sozialer Prinzipien bleibt ein ökonomisch und gesellschaftlich wichtiges Thema. Erkennbar auch am Motto des Hamburger Trendtages (14. Mai): Sozialer Reichtum. Wer teilt, gewinnt.
Die ungehobenen Ressourcen von morgen sind nicht Rohstoffe, sondern menschliche Beziehungen. Nicht Bohrtürme und Schaufellader, sondern soziale Kultur und digitale Netzwerke werden die Beziehungen zu einem neuen Reichtum ermöglichen. Die Begeisterung für die Communities im Web 2.0 ist ein erstes Vorzeichen des Wertewandels. Soziale Normen passen sich den technologischen Möglichkeiten an, soziale Beziehungen werden neu gedacht und gelebt. Es geht um die innere Balance der Gesellschaft. Nach der Versöhnung von Ökonomie und Ökologie am Ende des 20. Jahrhunderts geht es jetzt um die Versöhnung von Profitmotiv und sozialer Verantwortung. „Share and win“ wird zum Programm des Erfolges. Kooperation, Offenheit und das Teilen von Ressourcen werden im Zentrum zukünftiger Wertschöpfung stehen.
Nun, es wird sich zeigen, was aus diesem politisch korrekten Optimismus wird, der die Überwindung des Kapitalismus durch soziale Prinzipien verspricht (hätte man früher “Sozialismus” gesagt?). Trendtage sind ja grundsätzlich und ihrem Geschäftsmodell entsprechend für Optimismus zuständig. Richtig und richtungweisend ist aber auf jeden Fall der Hinweis, dass soziale Beziehung in Zukunft wertschöpfend sind werden. Oder, um es in der Terminologie dieses Blogs zu sagen:
Und die Zukunft hat schon länsgt begonnen, wie zwei neue Beispiele zeigen.
plista bietet das Prinzip “Wem dies gefällt, dem wird auch das gefallen” für jede Webseite an. Nutzungsverhalten wird anonym getrackt und daraus entstehen dann persönlich relevante Empfehlungen. Was genius für den Musikfreund bei iTunes ist, kann plista für jeden werden. Egal wo und zu welchem Thema er im Netz unterwegs ist. Für den Nutzer ist plista umsonst. So wie er es aus dem Internet gewohnt ist. Die jeweilige Seite allerdings muss für diesen Extra-Service bezahlen.
Mit noch weniger Glamour und ganz ohne Web 2.0 Attitude kommt tellja
daher. Tellja universalisiert das Prinzip der Freundschaftswerbung. Ich empfehle dir etwas, du kaufst es und dafür gibt es eine Prämie. Für mich, für dich, für uns beide oder die Prämie wird - ganz Karma kompatibel - gespendet. Das funktioniert bei jedem Onlineshop, der mitmachen will und für jeden User, der seine Inspirationskraft monetarisieren möchte. Den Service bezahlt der Shop. Logisch, schließlich kauft der sich ja von Nutzern generierte Vertriebs- und Marketingleistung.
Nur zwei Beispiele, die zeigen, wie sich soziale Prinzipien monetariseren lassen. Es gibt noch mehr (sfeed, polyvore, usw.) und es wird noch weitere geben. Ganz unabhängig vom Erfolg derer, die damit angefangen haben.
Die Monetarisierung einer Idee durch Dritte ist eben nichts neues. Auch die wirtschaftliche Bedeutung des Buchdruckes erschöpfte sich nicht im Verkauf von Bibeln.
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Sinnstiftung durch gegenseitige Inspiration. Marino Degano zeichnet nach, wie die vier Evangelien entstanden.
Das ist ein schöner Artikel. Der Ansatz ist auch spannend, allerdings lässt sich nicht verbergen dass auch diese einfachen Monetarisierungen wie Du sie genannt hast bisher nur bescheiden funktionieren. Ihre 80 Mio für StudivZ wird Holtzbrinck damit genausowenig zurückverdienen wie mit Edelprofilen oder eben Werbung.
Selten so einen Unsinn gelesen! Die Realität sagt das mit “Social” kein Geld zu verdienen ist und nur die Realität zählt. Niemand wird für diesen belanglosen Quatsch der da über die Netzwerke geht Geld hinlegen, auch in Zukunft nicht.
Wenn Unternehmen ihre Gelder darin verbrennen, dann tun Sie das nur so lange bis sie keins mehr haben. Die Krise wirds zeigen…
Alles andere ist doch Augenwischerrei und “Ich-muss-meinen-Job-behalten”-Geblubber.
Grade Herr Lumma ist dafür bekannt ein guter Journalist zu sein, aber bestimmt nicht für seine tollen Erlösmodelle.
Ich finde es wichtig zu dem Thema eine Meinung zu haben. Mir hängt der Begriff “Social Network” eh zum Halse raus #unwortdesjahres - was ist denn bitte kein “socialnetwork”? Und arbeiten jetzt alle Menschen für die Wohlfahrt? Eher nicht
Jede Beziehung zwischen Menschen “kann” auch geschäftsfördernd sein - in so fern “kann” man auch mit digitalen Netzen Geld verdienen. Das beste Beispiel ist #xing - hier verweise ich gerne mal auf den Geschäftsbericht, die Haupterlöse sind eben nicht “Werbung”.
Früher haben sich die Leute auf Messen getroffen, heute in digitalen Räumen. Und wenn das Checkup durch ist, dann auch gerne mal live.
Interessant finde ich die Bewertung der neuen Skills “Sozialkompetenz” und “Mehrsprachigkeit”. Habe gerade eine 20jährige Mitarbeiterin eingestellt. Man lernt wirklich nicht aus! Die bewegt sich rasend schnell durch’s Netz. Ohne Training bei SchuelerVZ & Co. wäre das nichts geworden. Ist doch eine lohnende Investition für jeden Unternehmer, oder?
Fazit: Guter erster Anstoss! Ja, man kann auch Geld damit verdienen! Das was niemanden interessiert, das hat es nunmal auch nicht “verdient”. Und dass man viel Geld mit Tec verblasen kann, hat meine Generation bereits vor zehn Jahren gelernt. Bleibt alles sehr spannend!
[...] Weise verfahren – so genannte Edelprofile könnten dem Social Network schon in naher Zukunft weitere Einnahmen generieren. Einige werden sich jetzt vielleicht die Frage stellen, was unter einem Edelprofil [...]
[...] Und es geht doch! Die Monetarisierung sozialer Prinzipien [...]
Was bitte geht doch?! Bezüglich Tellja schreibst Du von “Inspirationskraft” und “Karma”, yep, mieses Karma. Tellja besitzt keinen Kundenservice bzw. E-Mail-Nachfragen werden generell ignoriert und der Empfehlende bekommt keine Kohle. Na das nenne ich ‘mal ein super Monetarisierungskonzept.
danke für den Kommentar Ronny, ich habe mir tellja lange nicht mehr angeschaut, gut, dass du es gemacht hast