Neue Freunde sind alte Fremde - Omegle, das ganz besonders soziale Netzwerk
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Der SPIEGEL schreibt von “Fremden Freunden”. Auf diesem Blog ist von “Vielen Freunden, wenig Freundschaft” die Rede. Menschen diskutieren, ob man nicht echte Freunde nur bei Facebook adden und dafür die reinen Business-Contacts ausschließlich auf Xing verwalten sollte. Und andere fragen sich, wie man sich sonst so benehmen soll in der digitalen Cliquenwirtschaft.
Freundschaften sind kompliziert geworden in sozial vernetzten Zeiten.”Wer kennt wen?” und was heißt das eigentlich in einer Zeit, in der vom Sozialen Reichtum gesprochen wird und damit immer auch der ökonomische Wert meines Freundeskreises gemeint ist.
Dabei gilt auch heute noch: den wahren Wert der Freundschaft erfährt man erst in der Fremde. Das zeigt seit ein paar Tagen ein Netzwerk, das vielleicht noch sozialer ist als alle anderen. Omegle. 
Hier werden nicht reale Freunde zu virtuellen, hier geht es nicht um die digitale Reproduzierbarkeit bestehender Beziehungsgeflechte, hier kann man ausschließlich mit Fremden Kontakt aufnehmen. Per Zufall verbindet der Server zwei einander Unbekannte miteinander (netterweise hat jemand ein paar Beispiele gesammelt). Eine äußerst zeitgemäße Idee des 18 jährigen Schülers Leif K-Brooks aus den USA, die bis zu 100.000 Menschen täglich nutzen, wie die taz zu berichten weiß.
In meinem ersten Versuch ergab sich eine kleine Diskussion über die Chancen von Manchester City im Uefa Cup gegen den Hamburger Sport Verein. 5:0 werde Man City am Donnerstag das Rückspiel gewinnen, so der optimistische Tipp aus Manchester. Aber der HSV sei auf dem besten Weg, die Bundesliga zu gewinnen, versuchte mich der fremde und gut informierte Engländer zu trösten. Wahrscheinlich hatte er von Gomez’ ärgerlichem Last-Minute-Tor noch nichts mitbekommen.
Der Omegle-Server hatte zwei Fußballfans zusammengebracht, wenige Tage vor dem entscheidenden Aufeinandertreffen ihrer beiden Mannschaften. Mein Gegenüber hat sogar Karten für das Spiel. Neid kommt auf. Am Ende haben wir einander die Daumen gedrückt. Und ich werde vor dem Fernseher nach ihm Ausschau halten.
Omegle zeigt uns, Fremde sind also nur Freunde, die noch nicht voneinander wußten (ein klein wenig Pathos zum Schluss, es ist ja fast noch Ostern).
Gründer Leif K-Brooks aus Vermont möchte über Omegle übrigens einen ganz besonderen Fremden treffen: Leif sucht einen Job. “Send feedback to omegle (or a job offer to its founder)” steht auf der Startseite.











Sinnstiftung durch gegenseitige Inspiration. Marino Degano zeichnet nach, wie die vier Evangelien entstanden.