Unter Freunden - das Private, das Öffentliche und das Juristische. Noch ein Nachtrag.

15. June 2009 von marc
Demokratie, Inspirationsgesellschaft 

Wie benehme ich mich unter Freunden, wenn die gar keine Freunde sind?

Als Antwort auf diese in sozial vernetzten Zeiten immer dringlicher werdende Frage stellt meedia.de 10 REGELN FÜR DEN UMGANG MIT DEN GESCHWÄTZIGEN NETZWERKEN auf. Überschrift “Job & Social Networks: Die größten Fallen”. Was darf ich, was darf ich nicht? Und vor allem, was habe ich zu befürchten, wenn ich es doch tue?

Im Kern geht es bei allen Überlegungen dieser Art um die Folgen totaler, freiwilliger Transparenz in einer Welt in der das Öffentliche und das Private, die Arbeit und die Freizeit, das Büro und das Zuhause ineinander übergehen und ununterscheidbar werden.

Wenn ich krank bin, darf ich nicht auf Facebook sein, weil mein Chef dann findet, ich sei gar nicht krank, denn ich bin ja auf Facebook.

Meine Urlaubsbilder, die mich mit stolz geschwellter Brust beim Sangria saufen zeigen, eignen sich nicht als Bewerbungsfotos. Der Personalchef, der mich (jetzt nicht mehr) einstellen will, sieht sie aber doch.

Der getwitterte Hinweis, mit wem ich gerade wo zum Meeting zusammen sitze, lässt die Konkurrenz aufhorchen, weil sie daraus schließen kann, an welchem Kunden ich gerade dran bin.

Auch sonst im Leben hilft es, vor dem Reden nachzudenken. Aber jetzt gilt: wenn alle alles mitbekommen, müssen auch alle alles kontrollieren.  Das ist letztendlich die Konsequenz, auf die Meedia in der letzten Regel hinweist: die Aufforderung zur hemmungslosen Selbstinszenierung.

10. Die Authentizitätsfalle - und ihre Chance als Imagekampagne

Alle Experten (und auch wir) warnen: Passen Sie auf, welche Infos Sie über sich preisgeben. (…)  Der Spieß lässt sich aber auch umdrehen. Denn mit Hilfe von Social Network-Profilen bestimmen Sie das Bild, das andere von Ihnen haben.

Mein Ich als ständig zu optimierendes, digitales Selbst.  No Badge Aktivitäten für Jedermann. (No Badge Aktivitäten = Meinungsäußerungen in Foren, Blogs und anderen Medien ohne oder mit verschleiertem Absender). Das wird sich weder durchhalten lassen noch durchsetzen können. Warum sollten wir auf der persönlichen Ebene gut finden, was Unternehmen vorgeworfen wird?

Besser wir verstehen, was sich gerade verändert. Wer zu Hause krank im Bett liegt zum Beispiel, der fühlt sich auf Facebook eben auch zu Hause. Er kommt daher gar nicht auf die Idee, sein Chef könne das missbilligen.

Grundsätzlich gilt: Die umfassende, individuell selbst gewählte und dennoch kollektiv verpflichtende Transparenz lässt die Lüge lächerlich werden. Sie kann nur mit immensen Aufwand aufrecht erhalten werden kann. Ihre Enttarnung macht sofort zunichte, was zuvor mühsam aufgebaut wurde.

In sozial vernetzten Zeiten ist aber Glaubwürdigkeit das höchste Gut. Die Inspirationsgesellschaft lebt von Offenheit und Dialogbereitschaft. Bei Menschen, Marken und Unternehmen. Eigentlich ganz gute Aussichten.

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Kommentare

2 Kommentare zu “Unter Freunden - das Private, das Öffentliche und das Juristische. Noch ein Nachtrag.”

  1. michael reuter am 16. June 2009 08:25

    “Besser wir verstehen, was sich gerade verändert. Wer zu Hause krank im Bett liegt zum Beispiel, der fühlt sich auf Facebook eben auch zu Hause. Er kommt daher gar nicht auf die Idee, sein Chef könne das missbilligen.”

    Genau. Was ist so schwierig daran, zu sehen, dass Menschen sich in sozialen Netzwerken keine Rollen spielen, sondern sie selbst sind bzw. sein wollen?

    Zum häufig verwendeten Begriff des “Freundes” in sozialen Netzwerken empfehle ich die Lektüre von Mark Granovetter, der 1974 (!) in einer Studie zeigte, dass gerade die schwachen sozialen (Ver-)Bindungen die Stärke des sozialen Netzwerkes eines Menschen ausmachen: “The strength of the weak ties.”

  2. Benimm dich, mein Freund! : Neues aus der Inspirationsgesellschaft am 25. January 2010 09:26

    [...] benehme ich mich in sozial vernetzten Zeiten, was ist erlaubt und – viel wichtiger noch – was ist beliebt auf Facebook, Twitter und Co? Die [...]

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