Die IG-Metall entdeckt die Inspirationsgesellschaft…
… nennt es aber nicht so. Die klassisch linksherum formulierte Headline (Print-Ausgabe) im taz-Beitrag von IG.Metall Vorstand Ulrich Klotz verspricht viel: Die Entmündigten lernen, kreativ zu sein.
Klotz schreibt über die Veränderungen dessen, “was wir Arbeit nennen” durch die kooperativen Formen, die das Internet ermöglicht.
Durch das “Web2.0″ kommt nun eine neue Dynamik in diese Entwicklung. Mit Hilfe von “social Software” kann jeder User sein Wissen mit anderen teilen. Mitmach-Plattformen wie “MySpace” (250 Millionen Mitglieder) “Facebook”, “YouTube”, “StudiVZ” oder “Flickr” ziehen mitunter binnen weniger Tage mehr neue Mitglieder an als viele Parteien oder Gewerkschaften überhaupt haben. Die zuvor nur passiv genutzten Formen des World-Wide-Web waren lediglich Umformungen altbekannter Massenmedien wie Buch und Rundfunk plus Briefverkehr und Telefon via Computer.
Richtig erkannt und richtig beschrieben. Und Leser mit Gefühl für die historischen Dimensionen freuen sich über den impliziten Bezug auf Bertolt Brechts Radiotheorie:
Klotz erläutert am Beispiel der Software-Entwicklung kooperative Arbeitsmöglichkeiten, in denen er das Ende von Taylorismus und Arbeitsteilung sieht. Auch die hierarchische Organisation von Arbeit werde überwunden.
Bürokratische Hierarchien, die auf Angst und Einschüchterung basieren, rufen heute bei den “Net-Kids” nur noch Kopfschütteln hervor. Ob sich jemand “YX-Leiter” nennt oder ein größeres Büro hat, interessiert im Internet niemanden. Dort zählt nur die Qualität der Ideen und die tatsächliche Leistung — und das ist auch gut so.
Open-Source-ähnliche Arbeitsformen werden sich ausbreiten, weil sie vor allem im Hinblick auf Kreativität und Innovationen der industriellen Planstellenorganisation haushoch überlegen sind.
Kreativität als Motor der gesellschaftlichen Veränderungen und Innovationen, die im vernetzten Miteinander entstehen, so sieht für Ulrich Klotz die Zukunft der Arbeit aus. Er beschreibt die Inspirationsgesellschaft, ohne sie so zu nennen, als eine Gesellschaft, in der immer mehr in den globalen Weinbergen der Informationen arbeiten, um wertvolle Inspirationen zu keltern.
Ob das Web 2.0 die Menschen tatsächlich von hierarchischen Arbeitsstrukturen befreit und demotivierende Jobs dadurch verschwinden, dass man zuhause statt im Büro arbeitet, ist dabei noch offen, zumindest aber eine motivierende These. Beruhigend, dass auch die IG Metall am Anfang der Zukunft angekommen ist.

Sinnstiftung durch gegenseitige Inspiration. Marino Degano zeichnet nach, wie die vier Evangelien entstanden.